Chronik - MGV-Kirtorf

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Von Helmut Meß

Zur Geschichte des Vereins

Der Männergesangverein „Liederkranz“ Kirtorf ist in der glücklichen Lage, seine gesamte Geschichte seit seiner Gründung in zwei Chroniken nachlesen zu können.

Im Folgenden soll der Lebensweg unseres Vereins in kurzer Form, die dieser langen Zeit nie gerecht werden kann dargestellt werden.

Bereits etwa 30 Jahre vor Gründung des jetzigen Vereins bildete ein nicht namhaft bekannter  Musiker einen Sängerkreis, der sich aber bald wieder auflöste, bis im Jahr 1861 der damalige Lehrer Friedrich Cober unseren Verein ins Leben rief.

Der Stiftungstag (Gründungstag) des „Liederkranzes“  Kirtorf ist der
13. Oktober 1861. An diesem Tag trafen sich 13 sangesfreudige Männer und unterzeichneten die 34 § umfassenden Statuten. Aus diesen  hier einmal § 1, in dem es heißt:

1. Mitwirkung zur Verbesserung des Kirchengesangs
2. Veredlung geselliger Freuden

Nach Unterzeichnung der Statuten erfolgte die Wahl des ersten Vorstandes, der sich wie folgt zusammensetzte:

Präsident                                                     Karl Faustmann
Schrift -und Rechnungsführer                 Johannes Stumpf
Kontrolleur                                                  Heinrich Stumpf
Direktor (Dirigent)                                     Lehrer Friedrich Cober

Männer, die sich um eine Mitgliedschaft bewarben, sollten zumindest
18 Jahre alt sein und ein Eintrittsgeld von 18 Kreuzern zahlen.
Der monatliche Beitrag betrug 6 Kreuzer.

Als die Genehmigung vom Großherzoglichen Kreisamt Alsfeld erteilt war und der Stadtrat den Schulsaal (jetziger alter Kindergarten bei der Kirche) für die Übungsstunden zur Verfügung stellte, konnte man mit dem Singen beginnen. Nach mehreren Singstunden sang der Chor bereits  „Alles was Odem hat“ zweistimmig. Zu Neujahr erklang in der Kirche der Chor „Danke dem Herrn“ vierstimmig. Zu dieser Zeit bestand der Verein bereits aus
27 Mitgliedern. Trotz Spöttern und Widersachern wuchs die Mitgliederzahl beständig.
Diese belief sich zum 1. Jahrestag auf 38 ordentliche und
35 außerordentliche Mitglieder.

Nach mehreren Auftritten in  Kirtorf und der Teilnahme an einem Sängerfest in Romrod, sah sich der Verein bereits derart gestärkt, ein eigenes Sängerfest zu veranstalten. Dieses fand am 24. August 1862 auf dem „Platz in der Allee“ statt.

1863 wurde Heinrich Fauldrath 3 zum 1. Vorsitzenden gewählt. Er begann die Chronik zu schreiben und erwarb sich im Verein viele Verdienste.
In den folgenden Jahren wurde der Verein Mitglied im „Hessischen Sängerbund“, nahm an zahlreichen Sängerfesten der Nachbarvereine teil und beteiligte sich an vielen kleinen und großen Festlichkeiten in Kirtorf.


Die geplante Weihe der ersten Fahne musste wegen des Deutsch-Französischen Krieges verschoben werden und fand  
am 9. und 10. Juni 1872 unter großer Beteiligung aus nah und fern statt. Diese Fahne wurde zur Hälfte durch freiwillige Spenden von 154 Frauen und Jungfrauen finanziert.

In den folgenden Jahren fielen die Übungsstunden öfter wegen Erkrankungen des Dirigenten aus oder mussten bedingt durch verspätete Erntezeiten verschoben werden.  

Am 19. und 20. Juni 1881 feierte der Verein sein 20-jähriges Bestehen. In seiner Ansprache machte der Vorsitzende Heinrich Fauldrath 3 darauf aufmerksam, dass die Zahl  13 für den Verein eine besondere Bedeutung habe. Er sagte: „13 Mitglieder gründeten den Verein am 13. Oktober 1861, 13 Mitglieder stehen heute in ihrem 20. Jahr und 13 auswärtige Vereine nehmen an diesem Fest teil.“

1882 übernahm Heinrich Lather 1 das Amt des 1. Vorsitzenden und bekleidete es  46 Jahre lang. Ludwig Maar wählte man zum Rechner und Schriftführer. Nach dem altersbedingten Ausscheiden des Vorsitzenden in  1928 wurde er Lathers Nachfolger und hatte den Vorsitz bis 1933 inne.

Aus gesundheitlichen Gründen musste Dirigent Friedrich Cober im
Jahr 1884 zum Bedauern aller Mitglieder sein Amt niederlegen. Immer wieder hatte er in schwierigen Zeiten auf den Zweck des Vereins, die Veredlung des Gesangs verwiesen.

Sein Nachfolger Lehrer Abel Zinn verstarb bereits nach kurzer Zeit 1886 an einer Lungenentzündung und Lehrer Georg Pfeifer übernahm das Amt des Dirigenten. Auf dessen Wunsch wurde ein Konzertflügel für 475 Mark in Gießen gekauft. 28 Mitglieder schafften diesen 355 kg schweren Flügel mit einem Schlitten von der Bahnstation Ehringshausen nach Kirtorf.

Am 13. Oktober 1889 feierte der Verein im Gasthaus „Zur Krone“ in geselliger Runde seinen Stiftungstag, als Dirigent Georg Pfeifer aus familiären Gründen die Feier verlassen musste. Es dauerte aber nicht lange, bis bekannt wurde, dass ihm ein Sohn namens Waldemar Fritz geboren sei. Der Verein beschloss spontan, die Patenschaft zu übernehmen. Als Geschenk überreichte man 6 silberne Teelöffel im Etui mit der Aufschrift „Zum Andenken an den Liederkranz“. Diese Patenschaft wurde im Alsfelder Kreisblatt unter „Mancherlei“ veröffentlicht und die Nachricht gelangte bis nach Amerika, wo sich ein dortiger Leser an unseren Verein erinnerte und ihm 20 Mark zukommen ließ.

Am 5. Juli 1891 verstarb der Gründer unseres Vereins, Ehrendirigent Friedrich Cober.

1897 übernahm Lehrer Johannes Müller das Dirigentenamt von Georg Pfeifer.

Nach der Versetzung von Johannes Müller im Jahr 1908 wurde Lehrer Heinrich Erdmann sein Nachfolger. Unter seiner Führung feierte man am 12. und 13. Juli 1911 das 50-jährige Jubiläum. Als einziger noch lebender Gründer unseres Vereins wurde Konrad Döll besonders geehrt, der 1924 verstarb.

Für 1914 war ein Sommerausflug an die neu errichtete Edertalsperre geplant. Da dieser nicht zustande kam, beschloss man, die Gewerbeausstellung am 14. Juli in Gießen zu besuchen.
Diese Reise verband man mit einem Besuch im Heimatdorf des Dirigenten Erdmann in Ruttershausen, „wo sich eine gesellige Freude mit den dortigen Sangesbrüdern abspielte“. Mit dem Zug über Marburg nach Allendorf fuhren die Ausflügler der Heimat zu und wurden an der Kirschbrücke zwischen Lehrbach  und Niederklein von zwei Fuhrwerken abgeholt. Wenige Tage darauf begann der 1. Weltkrieg, in dem mehrere Sangesbrüder ihr Leben lassen mussten. Während der Kriegsjahre wurden keine Übungsstunden abgehalten und auch keine Beiträge erhoben.

Anfang 1920 nahm das Vereinsleben wieder seinen gewohnten Verlauf mit 107 Mitgliedern.
Unser Verein beteiligte sich 1922 erstmals an einem Gesangswettstreit. In Angersbach startete man erfolgreich in der 1. Landklasse mit dem vorgegebenen Preislied „Es zieht nach meiner Heimat mich“.

Bedingt durch die Inflation im Jahr 1923 musste der Vereinsbeitrag vorübergehend in Naturalien erfolgen, um Dirigent und Vereinsdiener zu honorieren.

Im August 1926 wurde die lose Sängervereinigung Kirtorf-Lehrbach-Ehringshausen gegründet. Diese hielt 1927 in Kirtorf das erste Sängerfest ab. Diesem Bund schlossen sich in den folgenden Jahren noch Arnshain, Maulbach, Ober-Gleen und Wahlen an.

Den Ablauf von Sängerfesten in dieser Zeit beschreibt der Besuch in Bleidenrod am 7. Juli 1929:
„Auf festlich geschmückten Leiterwagen fuhr der Verein dem Festort zu, wo er am Ortseingang vom Empfangskomitee begrüßt und zu seinem Quartier begleitet wurde. Von dort begab man sich zum Aufstellort des Festzuges. Dieser führte durch die festlich geschmückten Strassen dem Festplatz zu, wo die Vereine offiziell begrüßt wurden und das Singen der Lieder erfolgte. Nach der Teilnahme an den Volksbelustigungen rüstete man zur Heimreise und kam gegen 22.00 Uhr wohlbehalten in Kirtorf an.“

Einen solch reibungslosen Ablauf nahm aber nicht jedes Fest. Folgendes begab sich beim Besuch des Sängerfestes in Niederklein am 18. Mai 1930: “Dieses Fest verlief in freudiger Stimmung recht gut, bis ein heftiger Gewitterschauer den Festplatz von den anwesenden Gästen säuberte. Alle flohen in großer Eile den Wohnungen zu, um Unterkunft zu finden. Die Festtagsfreude wurde dadurch vollständig getrübt. Nun rüstete man zur Heimreise, welche ziemlich gedankenlos vor sich ging. Als man ein gutes Stück zurückgelegt hatte, bemerkte man, dass die Fahne fehlte. Es wurden sofort Boten zurückgesandt, um dieselbe zu holen. Diese kamen aber ohne Fahne wieder. Am anderen Tag wurde ein anderer Bote nach dem Festort gesandt. Dieser fand die Fahne in dem Quartier vor.“

Im Jahr 1933 erfolgte die Gleichschaltung durch den Ortsgruppenführer und der Verein wurde Mitglied im Sängerkreis Alsfeld. Wilhelm Lather wurde 1. Vorsitzender.
Das 75-jährige Jubiläum wurde am 19. und 20. Juli 1936 gefeiert und der Verein erwarb seine zweite, heute noch existierende Fahne mit der Inschrift „Liederkranz“  Kirtorf  1861-1936.
Bei Beginn des zweiten Weltkrieges wurden wieder die Übungsstunden eingestellt und keine Beiträge erhoben und wiederum fielen  zahlreiche Sänger dem Krieg zum Opfer. Auch der seit 1908 tätige Dirigent Heinrich Erdmann. Er erlitt als politischer Gefangenschaft der Besatzungsmacht wohl durch innere Aufregung einen jähen Tod.

Nach langer Suche nach einem neuen Dirigenten konnten im November 1949 die Übungsstunden wieder aufgenommen werden. Der damalige Lehrer Karl Justus erklärte sich bereit, den Chor zu leiten. Vorsitzender war zu dieser Zeit Karl Gleißner, der dem Verein bis 1951 vorstand.

Die durch Karl Justus wieder ins Leben gerufenen „Abendunterhaltungen“, bei denen unter anderem Theaterstücke aufgeführt wurden, fanden großen Anklang bei der Bevölkerung.

In den folgenden Jahren nahm der Verein an zahlreichen Veranstaltungen teil. So auch 1950 an dem Sängertag des Schwalm-Antrift-Feldatal-Sängerbundes, dem er 1958 beitrat. Erstmals wieder an einem Wertungssingen beteiligte man sich 1959.

Vorsitzende in dieser Zeit waren von 1951 - 1953 Ludwig Schombert, ihm folgte bis 1955 Heinrich Korell, der von Theodor Krausgrill abgelöst wurde.
Am 27. Oktober 1960 übernahm Georg Erb dieses Amt. Unter dessen Regie wurde vom 3. - 5. Juni 1961 das 100-jährige Jubiläum mit großer Beteiligung gefeiert.

Am 1. Dezember 1963 wurde dem Verein „Liederkranz“ Kirtorf während einer Feierstunde im kleinen Haus des Hessischen Staatstheaters in Wiesbaden für sein 100-jähriges Bestehen die Zelterplakette sowie die silberne Ehrenplakette des Ministerpräsidenten überreicht.

Die Reisewelle jener Zeit erfasste auch unseren Verein und es wurden zahlreiche Fahrten zu den beliebtesten Reisezielen Deutschlands organisiert und durchgeführt.

Jeweils in den 1960er und Ende der 1980er Jahren bildeten sich kleinere Gesangsformationen aus dem Männerchor. Die „Schoppesänger“ 1 und 2 unterstützten die karnevalistischen Aktivitäten in Kirtorf und Umgebung mit sehr erfolgreichen Auftritten jeweils mehr als ein Jahrzehnt.

Das 110-jährige Bestehen wurde am 29. und 30. Mai 1971 gefeiert.

Bedingt durch Nachwuchsprobleme bildete man im Herbst des gleichen Jahres eine Chorgemeinschaft mit der „Harmonie“  Lehrbach.
Die Eigenständigkeit beider Vereine blieb weiterhin bestehen.
Ab 1. November 1971 wurde ein gemeinsamer Singstundenbetrieb eingeführt. Die Chorproben fanden abwechselnd in Kirtorf oder Lehrbach statt. Durch die Partnerschaft entstand ein stolzer Männerchor, der über 50 Stimmen zählte. Ein erhebendes Gefühl für alle Sänger und sicherlich auch die Zuhörer. Die Chorgemeinschaft Kirtorf/Lehrbach war damit stärkster Männerchor im Schwalm-Antrift-Feldatal-Sängerbund.
Sie bestand bis Ende 2008. Die Mitgliederversammlung des MGV „Harmonie“ Lehrbach beschloss, den Verein zum Ende des Jahres 2008 aufzulösen. Der Nachwuchsmangel an aktiven Sängern, sowie der Mitgliederschwund allgemein, veranlassten die Verantwortlichen zu diesem bitteren Schritt. Der letzte Auftritt der Chorgemeinschaft fand am 1. Weihnachtsfeiertag 2008 während des Gottesdienstes in Lehrbach statt. Die letzten aktiven Lehrbacher Sänger sowie auch einige passive Mitglieder traten dem „Liederkranz“  Kirtorf bei.

Als Karl Justus nach 23 Jahren seine Dirigententätigkeit aus Altersgründen  aufgab, übernahm im November 1972  eine Schülerin des Studiendirektor Reinhold Hartmann von der Gesamtschule Kirchhain die Leitung der Chorgemeinschaft.  Mechthild Schipke aus Anzefahr erwies sich als eifrige Dirigentin. Als sie 1976 ihr Musikstudium in Frankfurt aufnahm, musste sie die Chorleitung aufgeben.
Ebenfalls auf Vermittlung von Reinhold Hartmann folgte ihr Uwe Henkhaus aus Neustadt. Dem jugendlichen Elan dieser beiden verdankt der Verein seine stetige Verbesserung des musikalischen Könnens, das sich in den positiven Kritiken der Wertungssingen widerspiegelt. Auf deren Anregung treten seit dieser Zeit der Männerchor und der evangelische Kirchenchor zu besonderen Anlässen gemeinsam auf.

In den 1970er Jahren besuchte der aktive Sänger Helmut Gläser eine Chorleiterschulung und leistet seither treue Dienste als Dirigentenvertretung.

Ein reichhaltiges Programm wurde den Besuchern bei dem Fest zum
120-jährigen Bestehen, am 28. und 29. Mai 1981 geboten, das wiederum im Festzelt „Auf der Au“ stattfand.

Die seit 1983 bestehende Partnerschaft zwischen der Stadt Kirtorf und der Marktgemeinde Kilb in Niederösterreich wurde in den folgenden Jahren immer wieder bei den verschiedensten Anlässen durch Auftritte des Männerchores unterstützt.

Die erste einheitliche Chorkleidung, dunkelblaues Jackett, graue Hose und weinrote Krawatte wurde 1984 erworben.

Nach dem Wertungssingen 1985 verließ Uwe Henkhaus aus beruflichen Gründen zum großen Bedauern aller Sänger den Verein. Seine Nachfolge trat die ebenfalls von Reinhold  Hartmann empfohlene Heike Kratz aus Bleidenrod an.

Im Februar 1986 wurde auf Anregung und unter der Leitung von Heike Kratz der erste Kinderchor des „Liederkranz“ Kirtorf gegründet. Später entstand daraus noch ein Jugendchor, der gelegentlich durch einige Sänger des „Liederkranzes“ verstärkt wurde.  Diese beiden Chöre hatten ihren Höhepunkt beim Wertungssingen 1989. Mangels Nachwuchs musste dieser erste Kinderchor  1992 aufgegeben werden.

Die alljährlich entweder in Kirtorf oder Lehrbach stattfindenden Grillfeste haben ihren Ursprung in dieser Zeit.

Am 7. Mai 1986 wurde die Gleentalhalle in Kirtorf eingeweiht. Auch hier wirkte der Männer -sowie der Kinderchor bei der Programmgestaltung mit.
Diese lange in Kirtorf erwünschten Räumlichkeiten eröffneten dem Chor bisher nicht gekannte Möglichkeiten. Fortan wurden alle gesanglichen Veranstaltungen in der Gleentalhalle abgehalten. Dort veranstaltete der „Liederkranz“  Ende der  1980er Jahren u.a. auch mehrere Silvesterbälle.

Wenige Tage nach Einweihung des „Bürgerhauses mit Sporthallenanbau“ feierte der „Liederkranz“ vom 16. - 19. Mai 1986 in und um die Gleentalhalle herum sein 125-jähriges Jubiläum. Ein Festzelt wurde zusätzlich auf dem Platz vor der Feuerwehr aufgebaut.

An Festkommers, Freundschaftssingen und Festgottesdienst beteiligten sich 32 Gastvereine, darunter auch der Musikverein aus der Patengemeinde Kilb. Am Festzug durch die Straßen von Kirtorf  nahmen
48 Zugnummern teil.  Die  125-jährige Vereinsgeschichte wurde in einer gelungen Festschrift dargestellt. Ein Jahr später feierte der gesangliche Partner des „Liederkranzes“,  die „Harmonie“ Lehrbach ihr 125-jähriges Bestehen in gebührendem Rahmen, im Festzelt am Bürgerhaus in Lehrbach.

Ebenfalls 1987 nahm die Chorgemeinschaft an einem Sängerwettstreit in Großseelheim teil. Gewonnen wurde lediglich an Erfahrung. Umso größer war die Freude über ein Preisgeld von 200 DM.
Im Oktober des gleichen Jahres war der Radiosender HR 4 zu Gast in Kirtorf. An diesem Städteporträt war auch die Chorgemeinschaft beteiligt und deren Gesang war über den Äther zu hören.  

Zur Jahreshauptversammlung in 1988 beendete das langjährige Führungsduo Georg Erb, 1. Vorsitzender seit 1960 und Albert Jakob, zweiter Vorsitzender seit 1970 seine Tätigkeit. Neuer 1. Vorsitzender wurde Helmut Gläser und sein Vertreter Helmut Meß. Der langjährige Gefährte der beiden Erstgenannten Karl Geißler, Rechner seit 1962,  übergab seine Bücher 1991 an Reinhold Kröning.

Im Mai desselben Jahres nahm der Verein die Einladung zum Wohltätigkeitsschießen für die abgebrannte Schießanlage in Erbenhausen an. Mit Bravour erschoss man sich den 1. Platz. In vorsommerlicher Hitze wurde der errungene Pokal stolz über den Heideberg nach Hause getragen. In Kirtorf am „Hasenbrunnen“ angekommen überkam die Sänger der „Nachdurst“. So wurde dort Rast gemacht und der Pokal mit eilend zusammengeholten diversen Getränken gefüllt, so dass es schon dunkel war, bis „Mann“  dann endlich den Weg nach Hause fand.

Bei den Feierlichkeiten  „500 Jahre Stadtrechte Kirtorf“ in 1989 umrahmte der Chor mehrere Veranstaltungen mit seinen Auftritten. Auch untermalte er den Festakt zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Länder.

Sehr beliebt bei den Sängern und ihren Angehörigen waren in dieser Zeit die Familienabende, die mit Gesang und Spielen unterhielten.

Viele Male war der Verein erfolgreicher Veranstalter der Kirtorfer Kirmes  zusammen  mit der Stadt Kirtorf, dem Landfrauenverein  und dem Festwirt Otfried Hartmann.

Im Januar 1990 löste Sabine Spahn aus Altenburg die seitherige Chorleiterin Heike Kratz ab. Das Zitat eines Vorstandmitgliedes hat auch heute noch seine Gültigkeit: „Mit Damen haben wir ja keine schlechte Erfahrung gemacht.“

Gleich drei Jubiläen wurden 1991 mit Liederabenden in der Gleentalhalle gefeiert. 130 Jahre „Liederkranz“  Kirtorf, 20 Jahre Chorgemeinschaft und
5 Jahre Kinderchor.

Nach sieben Jahren intensivem Tragen war die Chorkleidung trotz schonender Behandlung sehr strapaziert. Zudem waren viele Männer gewichtiger  geworden.
Also leisteten die Sänger sich 1991 einen neuen Anzug. Dieser bestand aus weinroter Hose, farblich passendem Jackett und einem einheitlichem Hemd, das wahlweise mit Fliege oder Krawatte getragen werden konnte.

Am 1. Januar 1993 wurde der „Liederkranz“ 1861 Kirtorf e.V.  in das Vereinsregister aufgenommen und gilt seither als gemeinnützig.

Im Oktober 1994 nahm die Chorgemeinschaft erstmals an einem Bundesleistungssingen des Hessischen Sängerbundes in Weilburg teil. Man trat in der Leistungsklasse C an. Gefühlsmäßig fanden die Sänger ihre beiden Liedvorträge ganz ordentlich. Entsprechend groß war die Enttäuschung über den letzten Platz.

Besser erging es den Sängern bei Wertungssingen des Schwalm-Antrift-Feldatal-Sängerbundes in diesen Jahren. Das Leistungsvermögen des Chores war immer im vorderen Drittel der Mitgliedschöre angesiedelt.

Neben den Kritiksingen nahm die Chorgemeinschaft auch regelmäßig an den Chorkonzerten des Sängerbundes teil. In den 1980er und 1990er Jahren fanden drei dieser Konzerte in der Gleentalhalle in Kirtorf statt.

Seit Mitte der 1990er Jahre nimmt der Verein mit gutem Erfolg beim jährlichen Vereinspokalschießen des Schützenvereins teil und konnte schon mehrere Pokale in Empfang nehmen. Ebenso werden seit dieser Zeit auf dem Kirtorfer Weihnachtsmarkt Spezialitäten aus der Patengemeinde Kilb angeboten.

In den 1980er und 1990er Jahren bestand eine Freundschaft mit dem MGV „Frohsinn“ Gundheim in der Nähe von Alzey. An einige gesellige Zusammenkünfte  hier und dort erinnert man sich noch gern. Ganz besonders sei das Weinpreissingen 1996 anlässlich des dortigen
75-jährigen Jubiläums erwähnt. Die Chorgemeinschaft errang den 1. Platz und gewann mehrere Flaschen Wein, von denen nicht alle gefüllt in Kirtorf ankamen.
An den Feierlichkeiten 25 Jahre Chorgemeinschaft Kirtorf/Lehrbach und 135 Jahre „Liederkranz“  Kirtorf vom 3. bis 5. Oktober 1996 nahmen 23 befreundete Chöre teil.

Im September 1997 nahm der Chor mit drei Liedern beim Mendelsohn-Chorfestival in Montabaur teil.

Im März 2001 wurde unter der Leitung von Helena Fink aus Kirtorf wieder ein Kinderchor ins Leben gerufen. Der Chor „Regenbogen“ feierte schöne Erfolge mit Chorprojekten wie z. B. „Der Schneider Böck“ oder „Geisterstunde auf Schloss Eulenstein“. Auch er endete nach einer „Kindergeneration“  zum Ende des Jahres 2006.

Ebenfalls in 2001 feierte der „Liederkranz“ am 13. und 14. Oktober sein 140-jähriges Jubiläum in der Gleentalhalle. Freundschaftssingen, Ehrungen usw. wurden in gewohnter Weise mit vielen Gästen durchgeführt.

Zu Beginn des Jahres 2002 trennten sich die Wege der Chorgemeinschaft und Chorleiterin Sabine Spahn. Veronika Bloemers-Ball überbrückte in gekonnter Weise die Zeit, bis Mitte 2002 Irina Büschel aus Neustadt als Chorleiterin zur Verfügung stand. Unter ihrer Leitung wurde vermehrt moderne Chorliteratur auch mit Klavierbegleitung einstudiert.

Zu den Chorkonzerten des Sängerbundes fanden sich nun öfter Chorgruppen zusammen. Die Chorgemeinschaft Kirtorf/Lehrbach bildete mit den Sängern aus Romrod, Eudorf und Schwabenrod/Münch-Leusel in wechselnden Formationen  größere Männerchöre, die vom fachkundigen Publikum mit dem entsprechenden Beifall bedacht wurden.

Am 4. März 2002 verstarb der langjährige Chorleiter Karl Justus. Der Verein, vertreten durch Helmut Meß würdigte im Trauergottesdienst seine Verdienste.

Helmut Gläser, der den „Liederkranz“ Kirtorf seit 1988 mit beispielhaftem Elan leitete, stellte anlässlich der Neuwahlen in 2003 sein Amt aus Altersgründen  zur Verfügung. Seit dieser Zeit ist Markus Naumann, der Enkel des Ehrenvorsitzenden Georg Erb erster Vorsitzender des Vereins.

Im Oktober 2004 war wieder eine neue Chorkleidung nötig. Bei den Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen der Patenschaft in Kilb wurde diese erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Irina Büschel beendete ihre Chorleitertätigkeit im Oktober 2005. Dankenswerterweise stand Tamara Zitzer übergangsweise zur Verfügung.

Da der Chor mit den Empfehlungen des Reinhold Hartmann gute Erfahrungen gemacht hatte, wandte man sich wieder an ihn. Unter zwei Bewerberinnen wurde Viktoria Lanz-Winter aus Bernsburg  gewählt.
Wir waren der erste Chor, den sie leitete. Eine Situation, die vielen Sängern nicht fremd , aber dennoch einen neuen Anfang bedeutete. Es stellte  sich im Laufe der Zeit heraus: „unsere Wahl war ein Glücksgriff“.
Mit ihrer freundlichen Art, ihrem musikalischen Können und der Bereitschaft, sich ständig weiterzubilden, verzeichnet der Chor einen stetigen Aufwärtstrend.

In den 2000er Jahren verzeichnete der „Liederkranz“ Kirtorf einen ständigen Zugang an neuen Sängern. Diese kompensieren die aus Altersgründen scheidenden Mitglieder. Der Verein hat heute annähernd so viele aktive Sänger wie vor 25 Jahren.  Der Vorstand setzt durch eine aktive,  neuzeitliche Vereinsführung alles daran,  dass dies so weiter geht.

Ein Novum wagte man im Februar 2010. In der Musikakademie Schlitz fand die erste Chorfreizeit statt. Während der intensiven Übungseinheiten konnten drei neue Lieder erlernt werden.

In der Woche vor der Chorfreizeit am 18. Februar 2010 verstarb der Ehrenvorsitzende Georg Erb. Der Verein verabschiedete ihn  in einer von vielen Emotionen geprägten Trauerfeier. Der 1. Vorsitzende Markus Naumann dankte seinem Großvater in einer sehr persönlichen Rede für sein jahrzehntelanges Wirken um den „Liederkranz“  Kirtorf.

Vier Sänger unterstützten 2009 und 2010 den befreundeten Verein „Liederkranz“ Flensungen bei einem Chorprojekt. Mit dem Musical „Simba im Königreich der Löwen“ feierte man bei den zahlreichen Vorstellungen großartige Erfolge,  unter anderem auch bei der  Darbietung  in Kirtorf.

Im Hinblick auf das 150-jährige Jubiläum wurde Mitte 2010 von der Chorleiterin Viktoria Lanz-Winter ein Kinderprojektchor ins Leben gerufen. Mehr als 20 Kinder von 5 bis 9 Jahren arbeiten nach bereits mehreren Auftritten dem Jubiläum entgegen. Dies ist der dritte Kinderchor unter Federführung des „Liederkranz“.

Erwähnt werden soll auch die Anschaffung eines Poloshirts mit dem Slogan               „Mann… sing mit uns, wir kommen an!“

Das wahrscheinlich schönste Fotoshooting des Vereins wurde in Bezug auf das anstehende Jubiläum am 10. Oktober 2010 (10.10.10.) bei herrlichstem Wetter im Pfarrgarten gemacht. Einige dieser Aufnahmen sind in dieser Festschrift zu sehen.

Der MGV „Liederkranz“ Kirtorf hat, um auch mal „was Eigenes“  dauerhaft zu hören, am 14. Februar 2011 in der Kirtorfer Kirche, erstmals eine CD-Aufnahme durchgeführt.

An dieser Stelle bleibt festzuhalten, dass auf viele Veranstaltungen in diesem Rückblick nicht eingegangen wurde. Die Auftritte bei Adventskonzerten, Singen am Volkstrauertag, Singen im Gottesdienst, Ständchen zu Jubiläen und weiteres mehr wurde von den Sängern gerne wahrgenommen.
Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch unsere Zusammenkünfte nach „getaner Arbeit“,  getreu dem  1. Paragraphen unter Punkt 2. unserer Statuten                  „Veredlung geselliger Freuden“ ,
welcher wir uns immer wieder gerne stellen.
Wir Mitglieder des „Liederkranz“ Kirtorf sind dankbar, dass wir dabei sein dürfen bei:

150 JAHRE MÄNNERGESANGVEREIN „LIEDERKRANZ“ 1861 KIRTORF

Helmut Meß,  2. Vorsitzender
MGV- KIRTORF
GEMUENDENER STR. 1 /36320 KIRTORF
Design KAKI-24

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